Kategorie: Medien

“Atheisten sind langweilig”

Bei Atheisten gibt es ja immer nur diese beiden schönen Stellen: Heinrich Böll hat in den „Ansichten eines Clowns“ gesagt, Atheisten sind langweilig. Frage: Warum? Ständig reden sie über Gott. Woody Allen hat gesagt, „Für Sie bin ich ein Atheist, für Gott bin ich die loyale Opposition“.

Carsten Frerk, Einfluss der Kirchen auf die Politik. „Demokratisch skandalös“, in Deutschlandfunk, Carsten Frerk im Gespräch mit Christiane Florin

„Die Freiheit des Wortes ist nur ganz zu haben oder gar nicht“

Die Überschreitung von Grenzen des Anstands gehört im Ducismo zum Programm. Hasssprache und Rüpelsprache vereinigen sich zum Erfolgsidiom: Dass ganz oben einer die Sau rauslässt, legitimiert das Gegrunze ganz unten. Unversehens verfällt man selbst in den Gossenjargon: Warum stopft solchen Gestalten eigentlich niemand das Maul? (…)

Wir leben nicht in einer Zeit sprachlicher Feinheiten. Die Zertwitterung der Gegenwart, die Trump eingeleitet hat und die seither die politische Klasse infiziert, erzeugt eine Welt aus rudimentärem Vokabular. Der US-Präsident macht keine grammatikalischen Umstände, er lügt bevorzugt ohne Relativsatz. Auch bei anderen Weltverschlechterern drängt sich die Frage auf, ob es nicht gut wäre, ihnen sprachlich Zügel anzulegen, um etwas mehr Wahrheit und Takt zu bewirken. (…)

Die Freiheit des Wortes ist nur ganz zu haben oder nicht. Mit ihrer Rettungskraft und ihrem Zerstörungspotenzial, mit ihrer Friedfertigkeit und ihrer demagogischen Gewalt. Wer dieses Freiheitsrecht für sich beansprucht, muss sich nach seiner Menschenpflicht fragen lassen: Hier erweist sich das ethische und gesellschaftliche Versagen der Neo- und Präfaschisten, die von der Freiheit des Wortes Gebrauch machen, um den anderen öffentlich zu diskreditieren. Durch die Missachtung ihrer Menschenpflichten und die Einschränkung jeglichen Respekts auf die eigene Klientel propagieren sie eine brutale Gesellschaft, die durch den Verzicht auf Zivilisiertheit siegreich sein soll. Das ist ihre Gefährlichkeit, darum muss ihre Politik mit den Instrumenten der freiheitlichen Demokratie bekämpft werden. Nicht von einigen, sondern von allen. Nicht irgendwann. Jetzt.

Gerd Heidenreich, Freies Wort. Hört man den Hassrednern zu, möchte man ihnen den Stecker ziehen. Aber das Recht, die eigene Meinung zu sagen, gilt für alle, in: Süddeutsche Zeitung vom vierundzwanzigsten Dezember Zweitausenundachtzehn

“BILD” im AfD-Vorfeld

Eine „Vorfeldorganisation“ ist, wenn man Wikipedia glauben darf, eine politische Gruppierung, die einer Partei nahesteht oder gar in ihr eingebettet ist. Anders als die Partei selbst spricht sie ausschließlich bestimmte Interessenlagen an. Damit erhält sie einen Zugang zu Personen, die nicht direkt für die Partei zu gewinnen wären. Michael Spreng, konservativer Publizist und ehedem Wahlkampfmanager für Edmund Stoiber und später auch für Jürgen Rüttgers, nutzt ganz aktuell in seinem Blog „Sprengsatz“ den Begriff der „Vorfeldorganisation“ zur Kennzeichnung der BILD-„Zeitung“. Unter dem Titel: „BILD – Vorfeldorganisation der AfD“ schreibt er, es vergehe kaum ein Tag, an dem die BILD-Zeitung nicht versuche, die Institutionen und Repräsentanten des Staates verächtlich zu machen und ihre Leser gegen sie aufzuhetzen und fährt fort: „Jüngstes Beispiel an diesem Samstag. Auf Seite 1 schreibt BILD: ‚Der türkische Präsident Erdogan will, dass Deutschland Journalisten als ‚Terroristen‘ in die Türkei ausliefert – und bekommt dafür ein Staatsbankett beim Bundespräsidenten.‘ Nicht trotzdem, was legitim gewesen wäre, sondern dafür. BILD unterstellt damit Frank-Walter Steinmeier, das Bankett sei eine Belohnung für Erdogans Forderung. Dies ist nicht nur objektiv falsch, sondern auch eine Verunglimpfung des obersten Repräsentanten des Staates. Steinmeier hat sich ebenso wie Angela Merkel während des Staatsbesuches bei jeder Gelegenheit und bei jedem Zusammentreffen mit Erdogan unmissverständlich zur Lage der Menschenrechte und der Pressefreiheit in der Türkei geäußert.“ Das Verhalten von BILD sei kein Einzelfall. Seit Monaten bespiele BILD die politische Agenda der AfD. Fast jede Gewalttat eines Flüchtlings gegen einen Deutschen werde zur schreienden Schlagzeile, wenn aber ein Deutscher einen Syrer ersteche, werde dies mit ein paar Zeilen hinten im Blatt abgetan. Der ehemalige Redakteur bei der Welt, der Welt am Sonntag, bei Bild und Bild am Sonntag, beim Kölner Express und anderen Boulevardzeitungen urteilt, daß das Hamburger Springerblatt „mit dieser Kampagne systematisch den Respekt vor den Institutionen und Repräsentanten des Staates (zersetzt) und die liberale deutsche Demokratie (delegitimiert)“. Die Zeitung mache sich damit freiwillig oder unfreiwillig zur Vorfeldorganisation der AfD. Zwei oder drei Prozentpunkte für die AfD in den Meinungsumfragen müßten aufs BILD-Konto gebucht werden. Mehr noch: Der neue BILD-Chef Julian Reichelt habe eine Truppe von „selbsternannten Kriegern im Schützengraben“ rekrutiert, um die Kanzlerin und den liberalen Rechtsstaat „sturmreif“ zu schießen. O-Ton Spreng: „Mir tun die anständigen Journalisten bei BILD leid, die zum Teil aus Existenzangst nicht wagen, dagegen aufzustehen oder das Blatt zu verlassen.” Wie hieß es früher noch in „unseren“ Kreisen? „Enteignet Springer!“

Foto: Udo Grimberg, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

„Sätze mit Anfang und ohne Ende“

Und die CSU-Größe Edmund Stoiber, der wieder Sätze mit Anfang und ohne Ende sprach und es schaffte, in einem einzigen Redeabschnitt die Wörter Bayern, Sowjetunion, Kulturpolitik, Schüleraustausch, Wirtschaftsannäherung, Kalter Krieg, Bipolare Welt, Washington, Moskau, Weltgeschehen, Putin, Jelzin, Eurasische Union, Europäische Union, Wladiwostok, Lissabon, Westen, Vereinigte Staaten, Obama, Romney, Gefühlslage, Regionalmacht, Schuldzuweisungen sowie die Jahreszahlen 1990, 1991, 1993 und 1995 unterzubringen.

Martin Schneider, Anne Will über die WM. Arne Friedrich? Ist das alles?, in Süddeutsche Zeitung vom vierten Juni Zweitausendundachtzehn

Ein ebenso eindrucksvolles Beispiel für derartige Sätze gibt es hier.

Durchjammern

Die Rechten von heute aber jammern durch. Ob im Kulturbetrieb, im Bundestag oder in den Medien. Ununterbrochen beschweren sie sich über die „linke Meinungsdiktatur“ und mediale „Gesinnungskorridore“. Sie schreiben Bücher und Zeitungen mit Texten voll, in denen sie behaupten, eine Meinung wie ihre könne man in Deutschland nicht publizieren; sie setzen sich auf Bühnen und Podien und sagen: „Das, was ich gerne sagen würde, darf man ja öffentlich nicht sagen.“ Und dann sagen sie es.

Hartmut El Kurdi, Die Wahrheit. Rechtes Gejammer, in: Tageszeitung vom achtundzwanzigsten März Zweitausendundachtzehn

Wurst statt Diesel

Volkswagen verkaufte Zweitausendundfünfzehn mehr Currywürste als Autos. Genau genommen gut sieben Millionen Currywürste, aber „nur“ knapp sechs Millionen Fahrzeuge. Die Wurst wird seit Neunzehnhundertdreiundsiebzig vertrieben und sollte ursprünglich nur in den VW-eigenen Werkskantinen angeboten werden. Mittlerweile verkauft der Automobilkonzern Würste in elf Länder.

Demokratie ohne überzeugte Demokraten

Die Schreckgespenster Schönhuber und Schill sind an uns vorbeigeflogen, ohne dass die etablierte Politik auch nur irgendeine Lehre daraus gezogen hätte. Populisten wählen einfache Wahrheiten, einfache Sätze und – ganz wichtig – es gibt immer einen Schuldigen. Das sind erst die Ausländer. Und wenn die alle weg sind, sind es die Andersgläubigen. Und wenn die weg sind, sind es die Christen. Und wenn die weg sind… Populismus kann nur in einem „wir hier – die dort“ funktionieren, über ab- und ausgrenzen. Auch die CSU funktioniert in einer Art demokratie-affinen Variante so und spielt mit dem „wir hier in Bayern“ häufig hart am Wind. (Man wird doch noch mal „Neger“ sagen dürfen.)

Ansgar Mayer, Demokratie ohne überzeugte Demokraten.„Bonn ist nicht Weimar“. Und Berlin nicht Bonn, in: Carta vom zweiundzwanzigsten September Zweitausenundsiebzehn