Kategorie: Literatur


Schnee und Regen

20. Januar 2011 - 20:24 Uhr

“Es schneit, dann fällt der Regen nieder, dann schneit es, regnet es und schneit, dann regnet es die ganze Zeit, es regnet und dann schneit es wieder.” (Ror Wolf, Schriftsteller und Prophet, 1985)

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Sand im Getriebe

30. Dezember 2010 - 21:24 Uhr

„Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftigt sind! Seid mißtrauisch gegen die Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen! Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird! Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!”

Günter Eich: Träume (1950), in: Günter Eich, Fünfzehn Hörspiele, Frankfurt 1981, S. 88

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Komischer Vogel über komische Vögel

10. Mai 2010 - 20:32 Uhr

Er ist ein komischer Vogel und er schreibt über komische Vögel, über frei erfundene, über selbst erbrütete,  über Vögel, wie die Welt sie sich noch nicht erlesen konnte: Reinhard Josef, genannt “Buddy” Sacher. “Freie Sicht auf die Ambiente” heißt sein im Schweizer Ticino Verlag erschienener “kleiner kosmischer Vogelführer – Band II”. Darin zu finden beispielsweise der Wacholderfindel, die Sowjette, der Zülpich, die Brasserie, der Sprottenleger. Hätten Sie etwa geahnt, daß der Gesang der Blutamsel etwas Schmachtendes hat? Oder daß der Seidenmeister der Kostümbildner unter den Vögeln ist? Wer sich, nach all dem Wahlgetöse und Krisengeschreibe, erholen, amüsieren will, der lese was Feines. Ein Pröbchen:

Die Brasserie

kennen die französisch sprechenden Länder

als Bierdrossel.

Die Brasserie-Bavarie verträgt am meisten.

Sehr selten : die Brasserie-Sec, sowie

natürlich deren Brut.

Die Schnapsdrossel suchen wir im Reich

der Ornithologie vergebens.

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Christian Lindner im Olymp

16. März 2010 - 23:49 Uhr

Jetzt hat er’s geschafft, der Christian Lindner. In den Olymp. Geadelt auf ewige Zeiten. Von Georg Schramm und Urban Priol. Damit steht er gleichberechtigt neben den Großen dieser Republik, neben Merkel und Westerwelle, neben zu Guttenberg und Steinbrück und Niebel. Die Großmeister des deutschen Kabaretts, Schramm und Priol, haben den FDP-Generalsekretär in ihr Programm aufgenommen. Heute, in Neues aus der Anstalt, wurde er zitiert, der neue FDP-Grande aus Wermelskirchen. Mit dem denkwürdigen Satz: “Wir müssen aufpassen, dass die Demokratie insgesamt nicht Schaden nimmt durch solche Vorwürfe, die da konstruiert werden.” Gratulation, Herr Lindner.

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Literatur-Heroine

21. Februar 2010 - 14:40 Uhr

“Skandalautorin Hegemann wird 18 und bringt neues Buch raus: “Die Buddenbrooks.” Gestern getwittert von Reinhard Schinka. Für mich der beste Kommentar zum aktuellen Irrwitz des bundesdeutschen Literaturbetriebes.

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“… mit kaltem Herzen ungerührt vorübergehn”

3. Februar 2010 - 21:38 Uhr

Was die – gescheiterte – bürgerliche Revolution von 1848 nicht alles so hervorgebracht hat. Ein in Vergessenheit geratenes Volkslied von Robert Eduard Prutz (1816 – 1872) beispielsweise. Prutz war Schriftsteller, Dramatiker und einer der profiliertesten Publizisten des Vormärz. Literaturwissenschaftler und Dichter, Dramaturg und Universitätsprofessor. Wegen seiner radikalen Ansichten politisch verdächtigt, zog er sich nach Jena zurück. Wegen seiner Kritik an der Zensur wurde er der Stadt verwiesen. Seine 1845 verfasste dramatische Satire “Die politische Wochenstube” brachte ihm eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung ein, die durch Alexander von Humboldts Vermittlung niedergeschlagen wurde. 1846 lehrte er in Berlin, war 1847 Dramaturg in Hamburg und 1849 bis 1859 außerordentlicher Professor für Literatur in Halle.

Hütet euch vor Liberalen
Die nur reden, die nur prahlen
Nur mit Worten stets bezahlen
Aber arm an Taten sind:
Die bald hier-, bald dorthin sehen
Bald nach rechts, nach links sich drehen
Wie die Fahne vor dem Wind.

Hütet euch vor Liberalen
Jene blassen, jene fahlen
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn:
Aber bei des Bettlers Schmerzen
Weisheitsvoll, mit kaltem Herzen
Ungerührt vorübergehn.

Hütet euch vor Liberalen
Die bei schwelgerischen Mahlen
Bei gefüllten Festpokalen
Turm der Freiheit sich genannt
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar ein Denunziant.

Robert Prutz – um 1848, gefunden auf der Seite “Volksliederarchiv”

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“Sprache ist eine Waffe – Haltet sie scharf!”

9. Januar 2010 - 17:15 Uhr

Heute vor 120 Jahren wurde Kurt Tucholsky geboren. Publizist, Journalist, Schriftsteller und Kritiker in der Weimarer Republik. Noch heute ist es spannender, Tucholsky zu lesen als die Mehrzahl aktueller Journalisten. ” Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas -: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.” ( Weltbühne 1932) “Es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich.”(Weltbühne, 1930) “Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt.” (1934) “Der Sozialismus, der den Arbeitern viel Gutes gebracht hat, hat in dieser Form seine Rolle ausgespielt. [...] Je eher das, was man heute Sozialismus nennt, untergeht, desto besser – sein Grundsatz ist sowieso falsch, das haben gerade wir immer gewußt.” (1935)

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Enzensberger wird 80

11. November 2009 - 08:37 Uhr

“Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne. Sie sind genauer.”

Schon mein Deutschlehrer hatte mich und meine Klassenkameraden in der Untertertia mit Hans Magnus Enzensberger bekannt gemacht. Enzensberger wird am heutigen Tage 80 Jahre alt. Gratulation.

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“Ehrenmord”-Krimi auf der Buchmesse

15. Oktober 2009 - 23:52 Uhr

Der “Ehrenmord”-Krimi erscheint nun doch. Nachdem der Düsseldorfer Droste Verlag Bedenken hatte, den Roman von Gabriele Brinkmann zu veröffentlichen, weil man islamistische Reaktionen befürchtete, hat sich nun der Leda-Verlag in Leer entschlossen, den Krimi unter dem Titel “Wem Ehre gebührt” zu publizieren. Schon am kommenden Freitag sollen auf der Buchmesse die ersten Exemplare zu haben sein. Ab 19. Oktober wird das Buch im Handel sein. “Der Roman ist kritisch und dürfte manchen provozieren, natürlich, aber er differenziert auch”, sagte die Verlegerin Heike Gerdes. Das Buch greife nicht “die Türken” oder “den Islam” an, sondern nur die Auswüchse einer frauenfeindlichen Einstellung, die sich auf Tradition und Religion berufe, um Männern die Macht zu erhalten.

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