Kategorie: Wermelskirchen


Der Rhetor der Republik

23. März 2012 - 18:35 Uhr

Nein, Joachim Gauck war nicht mein Kandidat. Ich habe ihn nicht ausgewählt und ich hätte ihn nicht gewählt. Für Beate Klarsfeld hätte ich votiert. Frau, Antifaschistin, Moralistin, in der Tradition bürgerlicher Anständigkeit – das hätte dem Land gut zu Gesicht gestanden. Nun habe ich eben die erste Rede des Bundespräsidenten gelesen. Die erste Rede von Joachim Gauck als Bundespräsident ist gewiß keine sehr belastbare Basis für ein profundes Urteil. Dennoch: Sind wir nicht mit einigen der bisher zehn Bundespräsidenten schlechter gefahren als beim Elften? Selbst manch spätere Rede gewesener Präsidenten kann den Vergleich mit der ersten des amtierenden nur scheuen. Chapeau. Vieles von dem, was Gauck heute im Bundestag sagte, war nicht deutlich genug, vieles war auf den Konsens hin gesprochen, den es nach der massiven Kritik etwa in Blogs und anderen Netzpublikationen in Gang zu bringen galt. Die Wirkungskraft einzelner bekannt gewordener Äußerungen des Kandidaten sollte vom Präsidenten eingefangen und relativiert werden. Gleichwohl: Da hat Gauck in einer kurzen Rede die Geschichte (West-) Deutschlands nur gestreift und zugleich der Wiederaufbaugeneration und den Achtundsechzigern ihre jeweilige Bedeutung für Demokratie und Freiheit in Deutschland attestiert; er hat das vermeintlich Fremde im eigenen Land als Bestandteil unseres Kulturkanons gewertet; den Neonazis hat er eine entschiedene Abfuhr erteilt und den Konsens der Demokraten gegen Rechts befördert; selbst gegen die soziale Spaltung unseres Landes hat der gelernte Pfarrer angesprochen und den Sozialstaat rhetorisch verteidigt. Ganz ehrlich: Mit all dem hätte ich nicht gerechnet, nicht in dieser Form. Der Zweiundsiebzigjährige hat sich als lernfähig und beweglich erwiesen. Womöglich ist dieser Mann ein Gewinn für die Republik, wenn und solange er es vermag, sich der Indienstnahme durch gesellschaftliche Gruppen, einzelne Parteien, Macht- und Interessengruppen zu entziehen. Wenn er unabhängig ist, es bleiben kann, wenn er sein Vermögen einsetzt. Tiefe der Gedanken und sprachliche Kraft. Schon jetzt wird man sagen können, daß es sprachlich kaum bessere Präsidenten gab. Heuß war jovial und verschmurgelt, gab den Onkel der jungen Republik, Lübke, naja, Schwamm drüber, Heinemann war grundehrlich, aber ein wenig hölzern und eröffnete dem Land die Perspektive heraus aus der Adenauerschen Politik, Scheel hatte gute Laune, kaum mehr, Carl Carstens wanderte und sprach blödes Zeugs, Richard von Weizsäcker bleibt wegen des Diktums vom achten Mai als Tag der Befreiung im Gedächtnis, Roman Herzog beschwor den Ruck, wie, weiß man schon nicht mehr, und Johannes Rau hatte nach anfänglichen Schwächen durchaus das Zeug zur bewegenden Rede. Köhler und Wulff waren die Präsidenten, die das Land nicht verdient hatte. Gauck hat nach seiner ersten Rede mindestens schon sechs seiner Amtsvorgänger hinter sich  gelassen. Mit einer Rede unter dem Titel: “Wie soll es nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel ‘Unser Land’ sagen sollen?” Nun denn: Ich sage es jetzt bereits: Dieses Land ist auch mein Land. Auf Enkel will ich nicht warten. Gauck ist also mein Präsident. Die Ausgrenzung nach dem Motto: “Dann geh doch nach drüben:”, die ich lange, lange habe genießen dürfen, funktioniert schon lange nicht mehr. Ich lasse mich aus meinem Land, meinem Gemeinwesen nicht mehr herausdefinieren, von niemandem. Dieses Land ist auch mein Land. In diesem Sinne ist der Präsident auch mein Präsident. Und vielleicht wird Joachim Gauck, wer kann es wissen, mehr als der Rhetor der Republik, der Lehrer der Beredsamkeit. Das jedenfalls ist er schon.

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Antwort

18. März 2012 - 15:09 Uhr

… gute

Antwort ….

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Lichtgestalt

17. März 2012 - 13:11 Uhr

Zur Bezeichnung “Lichtgestalt” für den FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner als Nachtrag das Zitat des Lesers “zerberus und Co.” im Forum eines Spiegelartikels: “Denn in der vollkommenen Finsternis ist selbst die schwächste Funzel eine Lichtgestalt.”

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Comeback?

17. März 2012 - 12:36 Uhr

“Wenn einer die FDP aus der Misere herausführen kann, dann ist es Christian Lindner.” So der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge im Kölner Stadtanzeiger. Ein interessantes Lob, kommt es doch von einem Professor, der für die Linke im deutschen Bundestag sitzt und standhaft gegen neoliberale Positionen anschreibt. Aber es ist wohl wahr: Wenn jemand das Zeug hat, das intellektuelle und politische, die einst bedeutsame, inzwischen aber zur radikal neoliberalen Ein-Thema-Wirtschaftspartei verkommene liberale Partei wieder auf einen Kurs zu bringen, der auch Menschen jenseits der Rechtsanwaltsberufe, Zahnärzte, Notare und Finanzdienstleister, der Versicherungsunternehmen, Banken oder Hedgefonds anzusprechen in der Lage ist, dann ist es der Jüngste aus der blau-gelben Boygroup. Kein Wunder, daß Lindner in der Bergischen Morgenpost gar als “Lichtgestalt” bezeichnet wird. Christian Lindner hat jedenfalls vor geraumer Zeit schon publiziert, daß sich die liberale Partei aus der politischen Verengung lösen und stärker die gesamte Bandbreite des politischen Liberalismus repräsentieren muß. Fraglich bleibt, ob das substanziell mehr ist als bloße Garnierung des politischen Kurses, den die FDP in den letzten Jahren, im letzten Jahrzehnt unter Westerwelle eingeschlagen hat. Und bei dieser Kursverengung waren sie alle schon dabei, auch jene, die jetzt das Sagen haben, nach Westerwelle, gegebenenfalls sogar nach Rösler. Auch Christian Lindner. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dieser große Satz des russischen Philosophen und Staatenlenkers Gorbatschow kennzeichnet eben nicht nur die Honeckers dieser Welt, sondern womöglich auch die Lindners. Die FDP hat nun diesen Versuch in Nordrhein-Westfalen. Im Grunde sind sich alle Auguren einig: die FDP hat bei den drei anstehenden Landtagswahlen kaum eine Chance in die Landtage zurückzukehren und sich weiter an den Fleischtrögen der Macht zu laben. Sie hat fürs erste: abgewirtschaftet. Politisch und personell ist sie ausgezehrt. Blass. Bläulich-Gelblich. Und also ist das Risiko für den bis zum Dezember als Generalsekretär der Bundes-FDP agierenden Christian Lindner überschaubar. Jedenfalls das persönliche Risiko. Schafft er es, die FDP in Nordrhein-Westfalen auf ein erträgliches Maß diesseits der Zwei-Prozent-Marke zu hieven oder gar an die oder über die Fünf-Prozent-Grenze, dann wird er zum umjubelten Guru. Bleibt die FDP dort, wo sie sich jetzt nach allen Umfragen befindet, im politischen Nichts, hinter Piraten, auf Augenhöhe mit den Tierschutz- und Bibelparteien, bei den Sonstigen, dann wird es heißen, daß nicht einmal das größte politische Talent der FDP in der Lage war, in dieser kurzen Zeit das Ruder herumzureißen. Und Landesvorsitzender der FDP wird Christian Lindner bleiben. Die Machtbasis für später ist gelegt. Die FDP wird ja nicht verschwinden. Die Wähler haben sie, zu Recht, wie sich die Partei derzeit präsentiert, aus den Augen verloren. Christian Lindner ist nicht nur das große politische Talent der FDP, er ist auch das jüngste Talent. Er hat die Zeit auf seiner Seite. Auch für ein Comeback. Ein persönliches Comeback. Ein Comeback seiner Partei. Partei und Lindner müssen sich für ein Comeback allerdings häuten, die verhornte Schlangenhaut des unsozialen Neoliberalismus abstreifen. Originalton Christian Lindner: “Oskar Lafontaine hat unlängst behauptet, die Kernforderungen des Freiburger Programms würden heute nur noch von der Partei „Die Linke“ vertreten. Er hat Recht, denn tatsächlich formuliert nur noch seine Partei eine Sozialpolitik im Stil der frühen siebziger Jahre.” Da haben wir das Muster. Rückgriff auf die Freiburger Thesen der FDP. Öffnung, Erweiterung des verengten Blick auf die politische und gesellschaftliche Lage im Land. Und zugleich die Denunziation als gestrig. “Objektiv betrachtet hat Deutschland ein historisch und weltweit nahezu einmaliges Niveau an sozialer Sicherheit erreicht. Inzwischen sind Folgeprobleme erkennbar: Mitunter wirkt der Wohlfahrtsstaat wie ein Magnet, der Menschen in seiner Sphäre hält, statt sie in die Selbstverantwortung und Teilhabe an Arbeit zurückzuführen.” Christian Lindner, schauen Sie sich um im Land. Ohne bläßlich blau-gelbe Brille. Unzählige Menschen befinden sich in unserer reichen Republik in prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen, sind gleichwohl fleißig, leistungsbereit und arbeitsam. Das Niveau sozialer Sicherung in unserem Land ist hoch, zweifelsfrei. Gleichwohl verhindert es nicht, daß immer Menschen in immer unsichereren Verhältnissen zu Leben gezwungen sind, daß die Spaltung in Oben und Unten, in Arm und Reich zugenommen hat. Daß einige wenige von den Krisen profitiert und viele diesen Profit mit finanziellen Verlusten, sozialen Einschränkungen, mit Sorgen und Ängsten zu bezahlen haben. Zu dieser Erkenntnis verhilft ein vorurteilsfreier Blick auf die Wirklichkeit ohne ideologische Verengung. Nicht einmal “links” muß man sein, um zu einem solchen Urteil zu kommen. Man kann sogar ein Liberaler sein. Denn: “Wer Angst vor Armut, Alter, Arbeitslosigkeit oder Krankheit haben muss, der ist nicht frei”, so Christian Lindner im gleichen Text. In der Tat: Armut, Arbeitslosigkeit oder Krankheit und die Ängste, arm zu werden, die Arbeit zu verlieren, die Familie nicht mehr ernähren zu können, krank zu werden und das Ganze nicht bezahlen zu können, hindern die Menschen an gesellschaftlicher Teilhabe, an Selbstverantwortung. Das Sozialsystem ist eben kein Magnet. Mit dem Leben im Sozialsystem sind in aller Regel Einschränkungen, Deformationen, Defizite verbunden, auch an der Würde der Menschen. Selbst wenn die eigentliche Klientel einer liberalen Partei nicht die große Zahl von Arbeitnehmern und Angestellten sein sollte, kommt man mit der Denunziation dieser Menschen als nicht arbeitsam und in der sozialen Hängematte eingerichtet politisch nicht sehr weit. Das haben die Ereignisse der letzten beiden Jahre zur Genüge bewiesen.  Die Besserverdienenden sind eben nicht automatisch auch die Leistungsbereiten. Boni für Bänker, die veritable Pleiten hingelegt haben, sind das Gegenteil von Prämien für Leistungsbereitschaft. Und die Leistungsbereiten sind eben nicht auch automatisch die Besserverdienenden. Wo wäre die deutsche Wirtschaft denn heute, in und nach der Krise ohne die Vielzahl fleißiger Arbeiter und Angestellter, die unter Verzicht auf Lohnerhöhungen seit Jahren die Räder rollen lassen? Zudem hat die Krise gelehrt, daß Mißbrauch von sozialen System eben nicht nur bei denen da unten stattfindet. Steuerhinterziehung oder Subventionsbetrug sind um nichts ehrbarer als die Hartz IV-Mogelei. In der Dimension eher gewaltiger. Die Gier des Geiz-ist-geil steht der Gier des Hast-Du was- Bist-Du-was der Finanzwirtschaft nach. Kurzum: Ich kann mir eine Erneuerung der liberalen Partei nicht denken ohne eine geschärftere Wahrnehmung der sozialen Wirklichkeit. Wer das soziale Leben der Menschen ausblendet, mehr noch: wer die Ängste und Sorgen der Menschen in ihrer Mehrheit als dekadent denunziert, den bestraft das Leben, an der Wahlurne. “Vierzig Jahre nach den Freiburger Thesen ist aber auch wieder – um das Wort aufzunehmen – eine ‘Reform des Kapitalismus’ dringlich.” Stand bei Karl-Hermann Flach, dem Autor der Freiburger Thesen der FDP, noch die soziale Teilhabe der Menschen an den Ergebnissen wirtschaftlichen Handelns im Vordergrund, Mitbestimmung, so ist für Lindner die Reform des Kapitalismus eine neue Balance zwischen Markt und Staat. “Der Mittelständler fühlt sich von Bürokratie und Fiskus drangsaliert – und zugleich entfesselten Gewalten ausgeliefert. Vom Staat erwartet er zu Recht den Schutz einer fairen Freiheitsordnung. Stattdessen hat sich der Schuldenstaat selbst in die Abhängigkeit der globalen Finanzmärkte begeben.” Das ist das eigentliche Feindbild der FDP, der Staat. Die Märkte gehen vor Staat. Der Staat hat die Aufgabe, die Märkte zu schützen. Mehr nicht. Der Staat aber sind wir alle. Das Volk, die Regierenden, die wirtschaftlich Handelnden, die Verwaltung, die Gesetze, die Regeln, die Politik, das Recht, die Gesetze, Parlamente. Das Gemeinwesen und seine Grundidee. Wir geben uns einen Staat, wir treten Rechte ab an den Staat, als einzelne, als Gemeinschaft, damit der Staat uns schützt, damit der einzelne geschützt wird vor Übergriffen. Wir geben uns einen Staat, damit jemand die Regeln durchsetzt, die wir uns im Gemeinwesen geben. Märkte führen nicht per se zu sozialem Ausgleich. Märkte sind in ihrer Folge eher chaotisch denn geregelt. Märkte garantieren nicht Freiheit, Demokratie, soziales Wohlergehen. Der Staat kann das. Nur der Staat. Deshalb geht Staat vor Markt. Politik vor Wirtschaft. Macht vor Geld. Jedenfalls im Prinzip. Lindner hat Recht. An dieser Stelle geht es darum, wie die Balancen beschaffen sind, zwischen Staat und Markt, zwischen Staat und Einzelnem, zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Markt und Bürokratie. Und da ist viel aus der Balance geraten, da hat sich vieles verkehrt. “Heute besteht diese Reform (des Kapitalismus, W.H.) in der Wiederbelebung der Sozialen Marktwirtschaft – als Regelrahmen der Märkte.” Einverstanden. Der ungezügelte Kapitalismus, vor allem die Finanzwirtschaft, braucht einen Regelrahmen, der Wirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Verluste dürfen nicht mehr sozialisiert, also der Gemeinschaft aufgehalst werden, während Gewinne privatisiert werden. “Wer baute das siebentägige Theben. In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?” Mit diesen Fragen beginnen die Fragen eines lesenden Arbeiters von Berthold Brecht. An den Gewinnen weniger ist immer auch auch die Leistung vieler beteiligt. Die Balance der Verteilung stimmt nicht. Der Kapitalismus muß reformiert werden. Gezügelt. Es muß umverteilt werden. Nach den Kriterien gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist keine Marktkategorie. Das ist eine moralische und dann auch eine politische Forderung, Position. Gerechtigkeit ist das höherwertige Gut. Früher auch für die Liberalen. “Die Freiburger Thesen haben zu Recht den Blick dafür geschärft, dass die Verwirklichung von Lebenschancen Voraussetzungen hat: beispielsweise eine tolerante Gesellschaft, materielle Grundsicherung, individuelle Bildung und intakte natürliche Lebensgrundlagen. Ohne diese Ressourcen wird Freiheit zu einer bloß formalen Möglichkeit.” Ich stimme Christian Lindner zu. Die Freiburger Thesen haben den Blick auf die individuellen Lebenschancen geschärft, den Blick aber auch auf die Voraussetzungen für diese Lebenschancen. Es geht eben um mehr als die lediglich formale Möglichkeit zur Lebensverwirklichung, zu sozialer Sicherheit, zu individueller Bildung, einer intakten Umwelt. Ein Blick, ein Blickwinkel, der der liberalen Partei von heute verloren gegangen ist. Nur wenn Lindner es schaffen sollte, den Blick und das Handeln der FDP aus der neoliberalen Verengung zu befreien, wird die FDP eine neue Chance bekommen. Und das ist kein Programm für die wenigen Wochen bis zur Landtagswahl. Über diese Arbeit kann man schon vierzig und älter werden. ”Aber in der Politik ist alles möglich.” So jedenfalls Bürgermeister Eric Weik heute in der Bergischen Morgenpost.

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Rückgrat

15. März 2012 - 22:02 Uhr

Rückgrat, das ist die Wirbelsäule, das den ganzen Körper tragende Knochengerüst. Im übertragenen Sinne benutzt man dieses schöne Wörtchen Rückgrat, um so schöne Eigenschaften wie Mut, Courage, Zivilcourage, Standhaftigkeit, Stehvermögen zu bezeichnen. Nun zitiert die Bergische Morgenpost heute den örtlichen FDP-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Manderla mit der Aussage, die FDP habe gestern im Landtag Rückgrat bewiesen und einen gesunden Haushaltsentwurf eingefordert. Muuhaaaahaaa. Wie schrieb gestern noch Spiegel Online unter der Überschrift: “Die miesesten Zocket Deutschlands”?

Die FDP hingegen ist völlig von der Rolle – und zwar nicht nur in NRW, sondern insgesamt. NRW ist nur ein weiteres Symptom der schweren Krise dieser altehrwürdigen Partei. Nun könnte man sagen, es ist löblich, dem rot-grünen Schuldenhaushalt die Zustimmung zu verweigern. Doch übrig bleibt letztlich doch nur das Bild einer konfusen Partei, die von den Usancen des Haushaltsrechts völlig überrascht wurde und beim Taktieren den Überblick verloren hat. Das haben zwar auch die anderen nicht kapiert, aber die FDP hat den größten Schaden.

Oder die Süddeutsche Zeitung unter der Zwischenüberschrift “Verliererpartei FDP”?

Die Freidemokraten haben sich ganz offensichtlich massiv verzockt. Sie dachten, sie könnten heute ungestraft klare Kante zeigen. Und sich dann bis Ende März von Rot-Grün bezirzen lassen, um dem Landeshaushalt doch noch in dritter Lesung zuzustimmen. Wenn es jetzt zu Neuwahlen kommt, ist das der Super-GAU für die FDP. Umfragen sehen die Partei bei gerade mal zwei Prozent. Höchst unwahrscheinlich, dass die FDP in dieser Gemengelage noch einen Blumentopf gewinnen kann.

Die FDP zeigt kein Rückgrat. Sie hat sich verschätzt, verzockt, in Düsseldorf. In Wermelskirchen bleibt indes Jürgen Manderla standhaft. Hut ab. Für ihn ist es “konsequent”, daß die Landtagsfraktion der FDP die Landesregierung zu Fall gebracht hat und jetzt Neuwahlen angesagt sind. “Die Landtagsfraktion hat so entschieden, wie ich es erwartet habe”, sagte Manderla laut Bergischer Morgenpost. Selbst der Blick auf das politische Überlebensrisiko der einst großen liberalen Partei kann Manderla nicht beirren: “Darüber sind wir uns alle im Klaren”. Was läßt einen mehr erstaunen, die Standhaftigkeit von Jürgen Manderla oder sein politischer Untergangswille. Lautes Rufen im dunklen Wald ist noch kein Mut.

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Subbotnik

2. März 2012 - 17:52 Uhr

Ich kann mich dunkel an eine Losung in der DDR erinnern: “Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!” Das war, wie ich eben nachgelesen habe, eine der größten Aktionen der Nationalen Front der DDR, quasi eine staatlich gelenkte Bürgerinitiative in Form eines sozialistischen Wettbewerbs, und hatte die Verbesserung des Wohnumfeldes zum Ziel. Die DDR-Bürger waren aufgerufen, in ihrer Freizeit und an Wochenenden unentgeltliche Arbeitsleistungen vor allem bei der Verschönerung ihrer unmittelbaren Umgebung zu erbringen. Auf gut russisch: Subbotnik. Meist beteiligte man sich im Rahmen von Haus-, Wohngebiets- oder Dorfgemeinschaften, örtlichen Organisationen, Sport- oder Arbeitskollektiven. Erfolgreiche Städte und Gemeinden wurden sogar mit Urkunden, Medaillen und Geldprämien ausgezeichnet. Warum ich das jetzt schreibe? Weil ich gerade in der Bergischen Morgenpost gelesen habe, daß der Verkehrs- und Verschönerungsvereinen Stadt, Dhünn und Dabringhausen, der  Sauerländische Gebirgsverein und die Stadtverwaltung die 38. Aktion “Wermelskirchen putzmunter, saubere Stadt” ausgerufen haben. Am Samstag, dem  24. März, werden sich also wieder viele Helfer am großen Frühjahrsputz in der Innenstadt und anderen Stadtteilen beteiligen. “Doch diesmal”, so schreibt Gundhild Tillmanns in der Morgenpost,  “steht die Aktion unter einem besonders brisanten Vorzeichen: Das bürgerschaftliche Engagement, sich selbst auch aktiv um eine saubere und schöne Umgebung zu kümmern, soll und muss angesichts leerer kommunaler Kassen Schule machen.” Manfred Schmitz Mohr, VVV-Vorsitzender und Büfo-Ratsherr, wird mit den Worten zitiert, daß “noch nicht alle begriffen (haben), dass wir bei dem hohen Verschuldungstand unserer Stadt alle wieder selbst mit anpacken müssen. (…) Ich hoffe aber, dass unsere Aktion Schule macht.” Hat sie schon, Schule gemacht. WNKUWG, SPD, CDU und Grüne werden sich am “Putzmunter-Tag”, den Henning Rehse von der WNK ausgerufen hat, einem gemeinschaftlichen Unkrautjäten auf dem Rathaus-Vorplatz, beteiligen. In der Morgenpost heißt es: “Abgelehnt haben laut Rehse aber Büfo und FDP. Die Begründung: Etliche Büfo-Mitglieder seien an dem Tag bereits in den Verschönerungsvereinen engagiert, teilt Peter Scheben mit. Außerdem halte er das Arbeiten hinter dem Sperrzaun am Rathaus nicht für sinnvoll: ‘Der Bürgermeister dürfte so etwas gar nicht genehmigen’, schreibt Scheben.” Die FDP aber, vom neuen “Wir-Gefühl” beseelt, wie es neulich auf ihrem Parteitag in Wermelskirchen hieß, und in Ihrer “Durchstartphase”, hat andere Termine und beteiligt sich nicht am von Gundhild Tillmanns zu Recht beschworenen “bürgerschaftlichen Engagement”. Die WNK habe doch” genug Beute-Liberale für die Aktion”. Mit dieser Antwort soll die FDP Henning Rehse abgefertigt haben haben. Der liberale “Seitenhieb”, wie Frau Tillmanns schrieb – es ist wohl eher ein veritabler Arschtritt – , zielt auf den Parteiübertritt der einstigen Führungsmitglieder Anja und Werner Güntermann aus der FDP in die WNK. WNK und FDP werden wohl doch nicht mehr wirklich Freunde fürs Leben. Naja, die Republik wird bald nicht mehr von der FDP (mit)regiert, da wird man es ertragen können, wenn die FDP auch beim Subbotnik “Stadtentrümpelung” schon kneift. Wir-Gefühl hin, Wir-Gefühl her. Apropos Subbotnik: Von der DDR lernen, heißt siegen lernen, oder?

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Eine Frau

27. Februar 2012 - 19:57 Uhr

Schön. Mit der Ausrufung der Kandidatur von Beate Klarsfeld macht DIE LINKE eine Bundespräsidentenwahl möglich. Damit wird eine bloße Ausrufung verhindert. Und: Eine Frau, eine mutige Frau, eine Frau, die sich dem Kampf gegen den Faschismus und seinen Nachwirkungen im Europa, im Deutschland von heute verschrieben hat, eine Frau mit Zivilcourage, die sich nicht scheut, einen Bundeskanzler wegen seiner Nazivergangenheit auf einem CDU-Parteitag zu ohrfeigen – eine solche Frau hätte das Amt verdient. Und die Republik hätte eine solche Frau in Bellevue verdient.

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Kunst

26. Februar 2012 - 23:15 Uhr

In meiner Kneipe, nicht schlecht, oder?

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Balkan-Trasse

26. Februar 2012 - 19:31 Uhr

Balkan-Trasse, Bergischer Radweg, Bergische Trasse, Berg-Trasse, Rad-Trasse, Bergische Rampe, Berg-Rampe, Bergisches Band, Panorama-Weg oder Pano-Steg, Sporttrasse im Bergischen Land, Preußenweg oder Preußentrasse – das sind die bislang veröffentlichten Namensvorschläge für den neuen Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Leverkusen und Remscheid, also auch hier in Wermelskirchen …

 

Egal: Aufs Rad …

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