Kategorie: Gesellschaft


Kompaß Life 3

7. Februar 2012 - 18:01 Uhr

Über siebenhundert Millionen Euro hatte die Deutsche Bank bei Kleinanlegern eingesammelt für den Lebensversicherungsfond Kompass Life 3. Üblicherweise kaufen solche Fonds Lebensversicherungen auf, um im Todesfall die Versicherungssumme zu kassieren. Kompass Life 3 jedoch kauft keine Policen auf, sondern bot den Einlegern eine Art Wette auf die Lebensdauer von etwa fünfhundert beobachteten amerikanischen Bürgern im Alter von zweiundsiebzig bis fünfundachtzig an. Je früher Menschen aus dieser Gruppe sterben, desto höher der Gewinn für die Einleger. Ein wahrhaft morbides Finanzprodukt, das in die Zeit und die demographischen Umstände paßt. Makaber, makaber. Nun aber hat sich der Bundesverband der Banken gemeldet. Diese famose Geschäftsidee sei “mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen”. Ein Gericht müsse die Frage klären, ob die “Wette auf die Lebensdauer eines ausgewählten Personenkreises nicht gegen sich aus unserer Sittenordnung ergebende Verhaltensverbote” verstoße. Immerhin. Beim Bundesverband der Banken haben Verstand und Moral vielleicht doch noch eine kleine Chance, anders als bei der größten deutschen Geschäftsbank. Man möchte kotzen.

Kommentieren » | Gesellschaft

Schamloses blaublütiges Gesocks

23. November 2011 - 10:58 Uhr

Schamloses blaublütiges Gesocks mit der sprühbaren Reichtumsgarantie. Prinz Mario zu Schamlos-Lippe. Einsperren. Sofort einsperren. Erst Knast und dann Psychiatrie. Und den Sender abschalten. Sofort.

Kommentieren » | Gesellschaft, Medien

In memoriam: Georg Kreisler

22. November 2011 - 22:08 Uhr

Der Wiener Kabarettist, Schriftsteller, Liedermacher, Komponist  Georg Kreisler ist tot. Heute verstarb er im Alter von neunundachtzig Jahren. Ein Meister der Sprache, des schwarzen Humors, der scharfen Kritik an Gesellschaft und Politik. Ein Anarchist, ein Widerborstiger.

“Freiheit hat mit Deutschland selbstverständlich was zu tun, sofern man wirtschaftlich dazu was beiträgt.”

Kommentieren » | Gesellschaft, Musik, Politik

Bewußt-Sein

7. November 2011 - 21:28 Uhr

Die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei “Wetten daß…” findet mehr und größere mediale Aufmerksamkeit als etwa die Not von Griechen, Italienern, Spaniern, Thailändern oder Japanern. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Immer noch.

Kommentieren » | Gesellschaft, Medien

Finnischer Nomadismus

30. September 2011 - 14:24 Uhr

Erst 2008 wurde das Nokiawerk im rumänischen Cluj eröffnet, nachdem man den nordeuropäischen Gummistiefel- und Handyhersteller mit einer Investition von 20 Millionen Euro aus Bochum fortgelockt hatte. Fast dreitausend Mitarbeiter verloren seinerzeit ihren Arbeitsplatz in Bochum. Jetzt wird das Werk in Rumänien geschlossen und zweitausendzweihundert rumänische Arbeiter verlieren ihren Job. Zwar verlangt der rumänische Staat einen Teil seiner Investitionen zurück, aber wie dieses Spiel ausgeht, hat man vor drei Jahren schon im Ruhrgebiet studieren können. Das Subventionsnomadentum von Nokia hat in nur wenigen Jahren zweistellige Millionenbeträge von Steuerzahlern in verschiedenen Ländern abgegriffen und zugleich Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet. So geht ordinärer Kapitalismus. Von wegen Leistungseliten. Hyänen.

Kommentieren » | Gesellschaft, Politik

“Ich fange an zu denken, daß die Linke vielleicht doch Recht hat”

9. August 2011 - 21:42 Uhr

“It has taken me more than 30 years as a journalist to ask myself this question, but this week I find that I must: is the Left right after all? You see, one of the great arguments of the Left is that what the Right calls ‘the free market’ is actually a set-up.” Nach dreißig Jahren journalistischer Tätigkeit als konservativer Publizist kommt Charles Moore in seinem Blog im Londoner Telegraph zur Erkenntnis, daß die Linke womöglich doch Recht habe, der “freie Markt” derzeit ein abgekartetes Spiel sei und fährt fort: “The rich run a global system that allows them to accumulate capital and pay the lowest possible price for labour. The freedom that results applies only to them. The many simply have to work harder, in conditions that grow ever more insecure, to enrich the few. Democratic politics, which purports to enrich the many, is actually in the pocket of those bankers, media barons and other moguls who run and own everything. ” Also: Die Reichen werden reicher und zahlen immer geringere Löhne. Die Freiheit, die dadurch entsteht, ist allein ihre Freiheit. Die meisten Menschen arbeiten heute härter, leben aber unsicherer, damit einige wenige immer reicher werden. Die Demokratie, die den Menschen dienen sollte, füllt die Taschen von Bankern, Medienbaronen und jenen anderen, die alles besitzen und die Wirtschaft bestimmen. Radikale Thesen eines knochenkonservativen Journalisten, der zwanzig Jahre lang als Chefredakteur konservativer Zeitungen in Großbritannien Meinung machte, zum Katholizismus konvertierte, ein gern gesehener Gast beim Papst ist und die offizielle Biographie von Margret Thatcher verfaßte. “And when the banks that look after our money take it away, lose it and then, because of government guarantee, are not punished themselves, something much worse happens. It turns out – as the Left always claims – that a system purporting to advance the many has been perverted in order to enrich the few. The global banking system is an adventure playground for the participants (…). The role of the rest of us is simply to pay. ” Die Banken, die mit unserem Geld arbeiten sollen, verspielen es und werden wegen der Regierungsgarantien nicht einmal dafür bestraft. Das zeigt, wie die Linke immer behauptet hat, daß ein System (der Kapitalismus), das immer vorgegeben hat, das wirtschaftliche Wohlergehen vieler zum Ziel zu haben, pervertiert wurde, indem es nur wenige immer reicher macht. Das globale Bankensystem ist ein Spielfeld für Abenteurer. Die Rolle von uns anderen ist, deren Rechnung zu zahlen. Das hätten ausgewiesene Linke nicht besser auf den Punkt bringen können als Charles Moore. Die Welt krankt an der blinden Deregulierung von Wirtschaft und Finanzmärkten. Das Mantra lautet: Der Markt regelt alles besser und alleine. Aber: Märkte sind sehr unterschiedlich und in regellosen Märkten setzen sich nur die die Stärksten durch, Monopolisten oder die Reichsten. Constantin Seibt kommentiert im Züricher Tages-Anzeiger: “Es ist kein Zufall, dass die Finanzmärkte in den letzten 15 Jahren die Treiber der Politik sind. Vor der Krise wurden sie mit Gefälligkeiten aller Art umworben; nach der Krise mit tausenden Milliarden gerettet; heute sind sie auf der Jagd nach den verschuldeten Rettern. So dass die reichsten Staaten der Welt vor dem Bankrott stehen. Denn der Finanzmarkt ist der reinste Ausdruck des zeitgenössischen Denkens: der Herde. Die Märkte sind ewig nervös, da sie nur zwei Zustände kennen – Angst und Gier – und nur zwei Dinge respektieren: Erfolg und Misserfolg. Das liefert sie nackt Euphorie und Angst – und damit dem allgemeinen Gerede aus: Die Börse bewegt nicht primär, was ist, sondern was alle darüber sagen.” Das teuerste Unternehmen der Menschheitsgeschichte war die Bankenrettung der vergangenen Jahre. Sie kostete bis heute 15 Billionen Dollar, das Zehnfache des Zweiten Weltkriegs, wie Constantin Seibt schreibt. Diese Kosten hat uns allen die neoliberale Ideologie der vergangenen Jahrzehnte aufgebürdet. Die Ökonomie regiert die Welt und die Entscheidungen der Politik. Und trotzdem besteht sie, wie Seibt anmerkt,  fast nur aus Jargon. Schlagworte, Universalrezepte. Aber: Ökonomie ist keine Wissenschaft, sie ist eine Kunst. Es ist Zeit, die selbstverschuldete ökonomische Unmündigkeit hinter sich zu lassen. Und damit beginnt jede Politik. Es ist hohe Zeit für die Politik, aus der Finanzwirtschaft wieder das langweilige, solide Geschäft zu machen, das sie für lange Zeit war. “Und schliesslich”, schreibt Seibt, “sollte man die alten Konservativen ein wenig stärken. Schon, um zu zeigen, dass es einst eine kluge, respektable Rechte gab. Es war ein Republikaner, Oliver Wendell Holmes, der sagte: ‘Ich zahle gern meine Steuern. Mit ihnen kaufe ich mir Zivilisation.’”

Kommentieren » | Gesellschaft, Politik

Der Nächste bitte…

3. August 2011 - 21:34 Uhr

Nun also auch Jürgen Goldschmidt. Der FDP-Bürgermeister von Forst in der Lausitz, der Partnerstadt Wermelskirchens, steht unter dem Verdacht, in seiner Doktorarbeit gegen die Gebote und guten Sitten wissenschaftlicher Arbeit und wissenschaftlicher Publikation verstoßen zu haben. In dem einen oder anderen Fall, so schreibt die Bergische Morgenpost heute, seien ihm “Quellennennungen dadurch gegangen”. Zur wissenschaftlichen Güte der von der technischen Universität Berlin mit gut benoteten Arbeit trug unter anderem eine Statistik der wissenschaftlichen Fachpublikation “Superillu” über die Zu- und Auswanderungen in Ostdeutschland bei. Der zitierende Hinweis auf diese Quelle fachwissenschaftlicher Inspiration ist indes unterblieben. Wenn sich schon die Lokalredaktion der Bergischen Morgenpost den Hinweis nicht verkneifen kann, daß das Boulevardblatt “Superillu” hinlänglich bekannt sei für “Hübsche Mädchen aus Ostdeutschland- hüllenlos: Ob blond, ob braun, bei Superillu.de finden Sie junge Frau’n…..”,dann liegt der Gedanke wohl nahe, daß es sich nicht um eine bloße Vergeßlichkeit des Herrn Doktor gehandelt hat. Ich bleibe, mal wieder, an der Seite von Michael Spreng, dem konservativen Publizisten und Politikberater. Der kritisierte neulich in seinem Blog Sprengsatz, daß man sich mit Blick auf die beiden Europaabgeordneten der FDP, Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis, offenbar damit abgefunden habe, “dass die beiden den Skandal aussitzen und ihr Mandat behalten wollen. Es geht immerhin noch um 35 Monatsdiäten in Höhe von 8.000 Euro. Auch das peinliche Schweigen der FDP-Spitze zu ihren beiden Ex-Doktoren wird nicht thematisiert. Kein Rösler und kein Bahr, Lindner oder Brüderle sagen etwas und kein Jornalist (Fehler im Original, W.H.) fragt etwas. Die Sagenichte und die Fragenichtse.” Vielleicht nicht das Gesetz, aber jedenfalls der bürgerliche Anstand geböte, Mandate und Ämter aufzugeben, wenn erwiesen ist, daß gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen worden ist. Immerhin haben die Plagiatoren fremdes geistiges Eigentum als eigene schöpferische Leistung ausgegeben. Das darf man niemandem durchgehen lassen. Schon mal gar nicht Politikern, Mandatsträgern oder Amtsinhabern, die eine öffentliche Rolle spielen, deren Aufgabe es ist, vorbildlich für das Gemeinwohl zu wirken, und deren Leitsatz ja wohl lautet, daß sich Leistung lohnen müsse. Daran ändert auch eine nur lokale oder regionale Bedeutung des Plagiatoren nichts.

2 Kommentare » | Gesellschaft, Politik

Das Buch des Freiherrn

28. Juli 2011 - 21:33 Uhr

Guttenberg schreibt ein Buch, melden die Gazetten. Jener Guttenberg, dem die Universität Bayreuth Vorsatz beim Diebstahl geistigen Eigentums im Zusammenhang mit der Erstellung seiner Doktorarbeit bescheinigt hat. Nun schreibt er wieder. Eigenhändig. In Connecticut, wo die unermeßlich reiche Familie bereits ein Haus gekauft hat. Vermutlich ein angemessen großes Haus mit vielen Zimmern. Ob da nicht noch Platz wäre für Frau Koch-Mehrin, Herrn Chatzimarkakis, Frau Mathiopoulos, Herrn Althusmann und die anderen bürgerlichen Schwindler?

Kommentieren » | Gesellschaft

Die Ausreden der Plagiatoren

8. Juli 2011 - 20:04 Uhr

„Als Doktorand kann man nicht so blöd sein, dass man nicht weiß, wie richtig zitiert wird.” Dieses harsche Urteil fällte gestern laut Frankfurter Allgemeine Zeitung der Münchener Rechtswissenschaftler Volker Rieble über den niedersächsischen Kultusminister und Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusman, nein, noch: Dr. Bernd Althusmann (CDU). Althusmann dagegen beteuert, an deutschen Universitäten seien unterschiedliche Zitierweisen üblich und er habe Flüchtigkeitsfehler begangen. Mit einer ähnlich dreisten Ausrede versucht auch der Europaabgeordnete der FDP, Jorgo Chatzimarkakis, seine Doktorarbeit gegen Plagiatsvorwürfe zu verteidigen. Für Volker Rieble eine „Standardausrede“. „Ein wörtliches Zitat muss gekennzeichnet werden, sei es durch Einrückung oder durch Anführungszeichen. Das ist nicht verhandelbar und das ist in der Atomphysik genauso wie bei Soziologen.“ Die Plagiatoren werden nicht einfallsreicher, ihre Ausreden schon.

Kommentieren » | Gesellschaft, Politik

« Ältere Einträge