Kategorie: Geschichte

Klassenclown

Meine eigene Karriere als Klassenclown ist, zugegeben, sehr, sehr lange her. Und mitunter erinnere ich mich nur mühsam. Sicher aber weiß ich, daß ich die dunkle, in unserem Falle grüne Tafel, nicht hätte mit dem Gesicht des Glücks übermalen können. Mir fehlten alle zeichnerischen Fähigkeiten für ein regenbogenfarben strahlendes Gesicht des Glücks. Gottlob aber ergaben sich ja vielfältige Möglichkeiten, die Fähigkeiten als Klassenclown zu proben und zu entfalten. Wie komme ich jetzt auf den Klassenclown? Heute wird weltweit der Internationale Kindertag begangen. Lediglich in Deutschland und in Österreich feiern wir den Weltkindertag am zwanzigsten September. Sei‘s drum. Jacques Prévert, der trotz mißratener Schulkarriere als leidenschaftlicher Schwänzer zum großen französischen Dichter avancierte, hat sich in seiner literarischen Kunst deutlich gegen die Zurichtung der Kinder in der Schule ausgesprochen. Beispielsweise hat er auch über den Schulversager geschrieben, in dem er die “Gefangennahme” des kindlichen Geistes in der Schule kritisiert, in der das Kind seiner individuellen Kraft beraubt werde. Und was für ein Szenario: die gescheitelten Köpfe der Musterschüler, der Lehrer mit dem lauernden Blick, Fragen als Salven, Problemkugelhagel.

Der Klassenclown

(nach Le cancre; aus: Paroles, 1946)

Unter ihm

die gescheitelten Köpfe

der Musterschüler,

vor ihm

der lauernde Blick

des Lehrers.

Die Salven der Fragen

prasseln auf ihn ein,

er taumelt

im Kugelhagel der Probleme,

die nicht die seinen sind.

Plötzlich aber

lacht sich der helle Wahnsinn

durch sein verdüstertes Gesicht.

Er greift nach dem Schwamm

und wischt es einfach weg,

das Labyrinth aus Zahlen und Fakten,

aus Daten und Begriffen,

aus Phrasen und Formeln,

und übermalt

unter dem Gejohle der Klassenmanege

regenbogenfarben

die dunkle Tafel des Unglücks

mit dem strahlenden Gesicht des Glücks.

Obszön

An Frank Spellman werden sich gewiß nur wenige erinnern und man muß ihn heute auch nicht nicht mehr kennen. Ich war noch jung, so um die siebzehn, achtzehn Jahre alt, als ich von ihm erfuhr. Zu jener Zeit war er als Francis Joseph Kardinal Spellman Erzbischof von New York und Militärerzbischof der USA. Der “glühende Meinungsführer der Rechten und Konservativen”, so Wikipedia, war einst Unterstützer von McCarthy und dessen unamerikanischen Umtrieben. Spellman – und das machte seine vorübergehende und eher traurige Bekanntheit hierzulande aus – segnete die Waffen, die im Krieg gegen Vietnam eingesetzt wurden. Vorbei, Geschichte, erledigt. Nein. Heute ist in Focus-Online zu lesen, daß wieder Waffen gesegnet werden. Nur wenige Tage nach dem Massaker in Florida ließ es sich die Kirche “World Peace and Unification Sanctuary” nicht nehmen, das bei dem Amoklauf verwendete Gewehr AR-Fünfzehn als “eisernen Stab” aus der “Offenbarung des Johannes” zu preisen und das Recht auf Waffenbesitz als “von Gott direkt gegeben” zu würdigen. Ich erspare mir und allen Lesern die Bilder von Gewehren im Gottesdienst und Kronen von Gemeindemitgliedern, die aus Patronenhülsen gefertigt sind. Das ist obszön.

Neunzehnhundertsiebenundsechzig

Ich selber hätte nicht daran gedacht. Wie auch? Nach fünfzig Jahren. Ich war ja erst sechzehn. Neunzehnhundertsiebenundsechzig. Und Schüler. Mitglied der “Aktion kritischer Schüler”. Am Stadtgymnasium in Porz, heute eingemeindet nach Köln. “Iskra” hieß die Schülerzeitung. Der Funke. Wie die revolutionäre Zeitung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, die Anfang des letzten Jahrhunderts drei Jahre lang unter Federführung Lenins erschien. Kein Wunder also, daß ich mich in dieser Zeit entschied, Mitglied in der Gewerkschaft zu werden. Wenn die Schülerzeitung schon einen derartigen Namen bekommt. Das war ja mehr Programm als nur Name. Gewerkschaftsmitglied. Auch als Schüler. Und so traf es dann die IG Chemie. Warum auch immer. Jedenfalls bin ich seither Mitglied der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Nach der Schule bei der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, als Student und Medienwissenschaftler bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hernach, als Journalist und Produzent, als Mitglied der Industriegewerkschaft Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien). Heute ist das Ver.di. Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft. Der öffentliche Dienst, die Journalisten und Publizisten, die Lehrer, kommunale Angestellte und Beamte, der Handel, Verkehr, Informationstechnologie oder Telekommunikation. Alles und noch mehr: Ver.di. Und Ver.di hat auch an das Jahr Neunzehnhundertsiebenundsechzig gedacht und meinen seinerzeitigen Eintritt in die Gewerkschaft. Vor ein paar Tagen ging mir eine Urkunde zu und eine Ehrennadel für die fünfzigjährige Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Gestern dann fand die Jubilarenehrung in der Wuppertaler VillaMedia statt. Ein würdevoller Rahmen. Für die Gewerkschaftsmitgliedschaft zwischen fünfundzwanzig und 70 Jahren. Ja, siebzig und fünfundsechzig Jahre. Eingetreten Neunzehnhundersiebenundvierzig oder Neunzehnhundertzweiundfünfzig. Das gibt es. Und das wird zu Recht gefeiert. Ich persönlich habe allen Grund, der Gewerkschaftsbewegung dankbar zu sein. Denn schließlich hat mich die Stiftung Mitbestimmung während meines Studiums gefördert. Ohne diese Förderung wäre seinerzeit ein Studium des Arbeiterkindes Wolfgang Horn kaum denkbar gewesen.

Jojo

Frank Hermes hat mich heute mit seiner Facebookbemerkung, das sei der beste Text von BAP, wieder auf die Spur dieses uralten Songs gebracht. Danke, Frank.

Hier der Text, in Kölsch und drunter in Deutsch …

Jojo

Ich weiß ni’ mieh, wo, nur noch, wie se do jing,
Die verbiesterte Ahl met däm Hungk ahn der Ling,
Zom Krüppel jemästet wie ’n Karikatur,
’Ne Jojo, dä belle kann ahn ener Schnur,
Die die ahl Frau nit losslööt, op jar keine Fall,
Ihr läuf keiner mieh fott wie die andere all:
Wie dä Mann, wo ihr nur ’n Schachtel Feldposs vun blevv,
Die se usswendig kann, ävver trotzdäm ophevv.
Enn Sütterlin steht do, wie schön se ens wohr,
Vüür allem ihr Naas un ihr pechschwazze Hoor –
Wie die vun dä Zijeunerin övverm Koppengk,
Op däm Ölbild, dat ihr ens ihr Dochter jeschenk.
Die, die jetz joot verhieroot enn Rüsselsheim lääv,
Met zwei Enkel, un jed Johr zom Mutterdaach schriev.
Wie der Sohn, der sich Johr un Daach ni’ mieh jemeld –
Nur dat Dier, sons kei Minsch hätt die Ahl op der Welt.

Oder dä, dä em Ahnzoch, su lang ich nur weiß,
Naax „Beim Büb“ ahn der Thek steht un unnohbar deit,
Dä nur sprich, wenn er sich jet ze drinke bestellt,
Och dä hatt sich dat all nit esu vüürjestellt,
Als e’ domohls aktiv enn der ahle KP,
Noch beseelt vun dä Machbarkeit singer Idee,
Der vun Freede, Gleichheit un Freiheit, jekämpf hätt,
Jebraat hätt ihm dat nix, nur die Zick em KZ.
Donoh Strafbataillon ahn der vorderste Front,
Wo e’ övverjelaufe un doch nit verschont,
’Ne sechs Johr lange Winter, Sibirien dann,
Enn ’nem Bleibergwerk – Jott sei Dank nit ahn de Wand.
Dä hätt nie widder Fooß jepack, selden jelaach,
Sick e’ zosinn moht, wie’t nohm Kreech jing övver Naach:
Schnell ’t Parteibooch jewähßelt, wat nit ens ärsch schwer,
Die ahl Nazis, nit er, wohren lang widder wer.

“Antoinette“, die bürjerlich Erika heiß
Un jed Naach Eck Maternus- un Mainzerstrooß steht,
Bess zwei, drei – vill Freier kumme nit mieh,
Dat verletz se, ’t dunn nit nur ihr Krampfodre wieh.
Jeht off stundelang hin un her, waat, dat wer hällt
Für ’ne Quickie öm Röcksetz, se bruuch halt dat Jeld.
Wenn och ni’ mieh für Freddy, dä och leev sinn kunnt,
Dat dä fott ess, obwohl e’ su ärsch op ihr stund!
Hä, dä Big Spender, un Heini, dä Doof,
Un Lisa, die Mösch, domohls leef et su joot:
Enn Champanger jebaad un met Nerz affjedrüsch,
Hück Naach hällt bloß de Schmier, övverhührt, dat se lüsch.
Nä, kei Metleid vun dänne, nit vun su ’n Pänz,
Der ihr Mutter se sinn künnt, nä wirklich, em Ähnz!
Dann ald leever dä Neid, dä se fröher jespürt,
Övver däm stund se drövver, dä hätt nie jestührt,
Dä hätt echt nie jestührt.

Jojo

Ich weiß nicht mehr, wo, nur noch, wie sie da ging,
Die verbiesterte Alte mit dem Hund an der Leine,
Zum Krüppel gemästet wie eine Karikatur,
Ein Jojo, der bellen kann an einer Schnur,
Die die alte Frau nicht loslässt, auf gar keinen Fall,
Ihr läuft keiner mehr fort, nicht wie die anderen alle:
Wie der Mann, von dem ihr nur eine Schachtel Feldpost bleibt,
Die sie auswendig kann, aber trotzdem aufhebt.
In Sütterlin steht da, wie schön sie mal war,
Vor allem die Nase und das pechschwarze Haar –
Wie das der Zigeunerin überm Kopfende,
Auf dem Ölbild, das ihre Tochter mal geschenkt.
Die, die jetzt gut verheiratet in Rüsselsheim lebt,
Mit zwei Enkeln, und jedes Jahr zum Muttertag schreibt.
Wie der Sohn, von dem sie seit Jahr und Tag nichts mehr gehört –
Nur das Tier, keinen Menschen hat die Alte auf der Welt.

Oder der, der im Anzug, so lang ich nur weiß,
Nachts „Beim Büb“ am Tresen steht und sich unnahbar gibt,
Der nur spricht, wenn er sich was zu trinken bestellt,
Auch der hat sich das alles nicht so vorgestellt,
Als er damals aktiv in der alten KP,
Noch beseelt von der Machbarkeit seiner Idee,
Für Frieden, Gleichheit und Freiheit gekämpft hat,
Gebracht hat ihm das nichts, nur die Zeit im KZ.
Danach Strafbataillon an der vordersten Front,
Wo er übergelaufen und doch nicht verschont,
Ein sechs Jahre langer Winter, Sibirien dann,
In einem Bleibergwerk – Gott sei Dank nicht an der Wand.
Der hat nie wieder Fuß gefasst, selten gelacht,
Seit er zusehen musste, wie’s nach dem Krieg ging über Nacht:
Schnell das Parteibuch gewechselt, was nicht mal sehr schwer,
Die alten Nazis, nicht er, waren längst wieder wer.

“Antoinette“, die bürgerlich Erika heißt
Und jede Nacht Ecke Maternus- und Mainzerstraße steht,
Bis zwei, drei – viele Freier kommen nicht mehr,
Das verletzt sie, dann tun nicht nur die Krampfadern weh.
Geht oft stundenlang hin und her, hofft, dass wer hält
Für den Quickie auf dem Rücksitz, sie braucht halt das Geld.
Wenn auch nicht mehr für Freddy, der auch lieb sein konnte,
Dass der weg ist, obwohl er so sehr auf sie stand!
Er, der Big Spender, und Heini, der Depp,
Und Lisa, der Spatz, damals lief es so gut:
In Champanger gebadet und mit Nerz abgetrocknet,
Nur die Bullen halten noch, überhören, dass sie lügt.
Nein, kein Mitleid von denen, nicht von den Jungs,
Deren Mutter sie sein könnte, nein wirklich, im Ernst!
Dann schon lieber den Neid, den sie früher gespürt,
Über dem stand sie drüber, der hat nie gestört,
Der hat echt nie gestört.
(c) 2015 BAP. All rights reseverd

Sugarman

Christoph Schulte sei Dank, dem Drittel von Sundown Acoustic Trio. Er hat am Freitag Abend im Bistro der Kattwinkelschen Fabrik als Anmoderation für das Stück “Sugarman” kurz die Geschichte von Sixto Díaz Rodríguez erzählt, einem amerikanischen Folk-Singer-Songwriter. Eine Randnotiz der Musikgeschichte zwar, aber eine Parabel über Ruhm und Vergänglichkeit. Rodríguez, Sohn mexikanischer Einwanderer, verdiente seinen Lebensunterhalt mit Auftritten in Kneipen. In den sechziger Jahren nahm er ein Folk-Album mit selbst geschriebenen Songs auf, Cold Fact. Trotz der positiven Kritiken ein kommerzieller Flop. Nur wenige hundert Alben wurden verkauft. Das war vorläufig das schnelle Ende einer Musikerkarriere. Er arbeitete hernach als Sozialarbeiter, an einer Tankstelle und auf dem Bau. Neunzehnhunderteinundachtzig machte er seinen Bachelor in Philosophie. Er bekam nicht mit, dass sich seine Musik im von der Apartheid geprägten Südafrika sehr verbreitete und er dort als legendenumwobener Superstar galt. Seine Alben waren als Kassetten-Kopien nach Afrika gelangt und seine Texte wurden insbesondere von Jugendlichen als Protestlieder interpretiert. Für sie war Rodriguez ein Star wie Jimi Hendrix oder Bob Dylan. Sein Werdegang und die Suche nach ihm ist Gegenstand des Zweitausendzwölf erschienenen Dokumentarfilms Searching for Sugar Man. Der Film wurde bei der Oscar-Verleihung Zweitausenddreizehn als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

 

Die Ironie der Missionarsstellung: Von der A-tergo-Zeit zum Face-to-Face-Liebesspiel

Das Wort Missionarsstellung enthält eine unberechtigte Ironie. Die christlichen Prediger haben fremden Völkern nicht nur das Evangelium gebracht, sondern auch die Idee, dass der Begegnungs-Charakter von Sexualität ernst genommen werden muss. Wie in Paris, also auch im Busch. Kurzum, der Übergang von der A-tergo-Zeit zum personalisierten Face-to-face-Liebesspiel darf unter keinen Umständen ins Lächerliche gezogen werden.

Der Philosoph Peter Sloterdijk im Interview mit S. Michaelsen, D. Pfeifer und V. SchröderGuter Sex braucht Freiheit. Die erotische Revolution sollte das gesellschaftliche Bewusstsein erweitern. Heute herrschen zwischen Frauen und Männern aber oft Misstrauen und Unsicherheit, in: Süddeutsche Zeitung vom siebzehnten September Zweitausendundsechzehn

Todestal der Vergangenheit

Der israelische Staatspräsident Shimon Peres verstarb am achtundzwanzigsten September Zweitausendundsechzehn im Alter von dreiundneunzig Jahren. Am siebenundzwanzigsten Januar Zweitausendundzehn sprach er anläßlich der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag. Man sei sich in Deutschland wie in Israel “der Finsternis, die im Todestal der Vergangenheit herrschte”, bewusst – auch angesichts der “gemeinsamen, klaren Entscheidung, unseren Blick nach vorne zu richten – zum Horizont der Hoffnung und in eine bessere Welt”.

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Putsch, Streich, Coup

Von einem Militärputsch ist meist nicht die Rede, wenn der Verschwörung zum militärischen Widerstand und des Umsturzversuches des zwanzigsten Juli gedacht wird. Jenes gescheiterten Attentats von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen Militärs sowie einigen wenigen Zivilpersonen auf den gewählten Kanzler Hitler, heute vor zweiundsiebzig Jahren. Und doch war es eben dies, ein Militärputsch, ein Staatsstreich, ein Coup d’État. Das machen auch die Worte von Stauffenberg deutlich: „Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem Gewissen.“ Die Verschwörer, überwiegend Berufssoldaten, meist aristokratischer Herkunft und konservativer Gesinnung, zahlten mit ihrem Leben, Familien und Verwandte wurden geächtet, verfolgt, inhaftiert. Erst nach und nach machten Argwohn und Distanz den Attentätern gegenüber im sich entwickelnden Nachkriegsdeutschland Platz für Respekt und Bewunderung für die Widerständler, für den Mut, für ihre Überzeugungen ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ein gescheiterter Militärputsch spielt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland also eine erhebliche Rolle für die Identifikation der Bürger mit dem Land und seiner Geschichte. Der Widerstand, der Kampf gegen die Tyrannei, gleich ob von Sozialdemokraten und Kommunisten, von Christen oder Berufssoldaten, von Juden oder Studenten getragen, von Einzelgängern oder Kriegsgefangenen, von Kaufleuten oder Künstlern, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der Mut Einzelner und der von Gruppen, aktiv gegen das faschistische Regime zu kämpfen, trug die Kraft der Versöhnung mit der Geschichte in sich. Heute sind sich die Beobachter einig: Der versuchte Militärputsch in der Türkei war ein Akt gegen eine gewählte Regierung. Und mithin undemokratisch. Aber auf den Militärputsch folgte der Staatsstreich. Durch die gewählte Regierung. Wenn Soldaten, Richter, Staatsanwälte, Beamte, Lehrer, Professoren oder Journalisten ohne ein Gesetz, ohne einen Richterspruch inhaftiert und kujoniert werden, entlassen, wenn Journalisten, Verlage, Zeitungen und Rundfunkanstalten an wahrheitsgetreuer Information gehindert, Sendelizenzen aufgehoben, Redaktionsräume zugesperrt werden, das alles ohne Gesetz und Gerichtsverfahren, dann ist das nicht weniger und mehr als ein Staatsstreich nach dem und unter dem Vorwand des Militärputsch(es).  Mitunter wird ein feinsinniger Unterschied darin gesehen, daß bei einem Putsch, vor allem einem Militärputsch der gewaltsame Sturz der Regierung von außen versucht wird, während an einem Staatsstreich einige oder mehrere Mitglieder der aktuellen Regierung beteiligt sind. Im konkreten Fall ein Präsident und ein Ministerpräsident. Ein feinsinniger Unterschied.

Jupp

Josefstag ist heute. Ja, der Josef wird heute gefeiert. Der Bräutigam der Gottesmutter. In Bayern heißt der Tag Josefi, in der Schweiz Seppitag und in Österreich wird er mitunter Josephinentag genannt. Josef gilt wegen seines Berufes als Zimmermann als Patron der Arbeiter und Handwerker, vor allem, klar, der Zimmerleute und Schreiner. Und, natürlich, auch als Saint-Joseph-Atzwang-detailSchutzpatron der jungfräulichen Menschen und der Ehe. In der katholischen Kirche begeht man als Replik auf die Arbeiterbewegung am Ersten Mai das Fest Josef der Arbeiter, mit dem der heilige Josef geehrt und die Würde der menschlichen Arbeit verdeutlicht werden soll. Der Josefstag lebt auch in Bauernregeln fort, von denen eine lautet: „Ein schöner Josefstag ein gutes Jahr verheißen mag.“ Tja. Was immer das heute bedeuten mag, hier jedenfalls, in diesen Breiten. Wir halten uns besser an eine andere Regel, selbst wenn sie holpert, daß es kracht: „Wenn’s erst einmal Josefi ist, so endet auch der Winter gewiss.“

Statue des heiligen Josef in der St.-Josefs-Kirche in Atzwang, Tirol, 
© Wolfgang Moroder