Archiv für 31. März 2010


“Kind Gottes, nimm diese Strafe”

31. März 2010 - 23:33 Uhr

“Kind Gottes, nimm diese Strafe”, sprach Walter Mixa zum über einen Bock gebeugten Jungen und schlug ihm 35 mal mit einem Teppichklopfer auf den Hintern. So berichten soeben die Tagesthemen. Ein ehemaliges Heimkind informiert von diesen Praktiken des ehemaligen Stadtpfarrers von Schrobenhausen. Zwei Frauen, ebenfalls ehemalige Heimkinder, bestätigen, von Pfarrer Mixa geprügelt worden zu sein. “Ich will keine Entschuldigung von Herrn Mixa. Ich will nur, daß Herr Mixa verschwindet, auch aus meinem Leben verschwindet”, so eine von Ihnen vor den Kameras der ARD. Sie erinnern sich? Walter Mixa, mittlerweile Bischof von Augsburg, hat die sogenannte “sexuelle Revolution” der sechziger bis siebziger Jahre für den Mißbrauch und die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche mitverantwortlich gemacht. Walter Mixa, gehen Sie. Und schweigen Sie. Walter Mixa, Kind Gottes, nimm diese Strafe. Und laß uns alle endlich in Ruhe.

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Mit Gesang auf Stimmenfang

31. März 2010 - 20:42 Uhr

Rettet die Volkslieder! Nein, keine Satire, keine Forderung aus dem Programm von Dieter Nuhr oder Volker Pispers oder Wilfried Schmickler. Auch nicht die Schnapsidee eines trunkenen Landtagshinterbänklers. Und keineswegs ein vorweggenommener Aprilscherz. J.R. hat sich dem deutschen Liedgut verschrieben. Rettet die Volkslieder, so lautet das neue Programm des (Noch-) Ministerpräsidenten im größten deutschen Bundesland. Jürgen Rüttgers will singen lassen. Die Lehrerschaft soll angehalten werden, im Unterricht wieder mehr Volkslieder zu singen,  Verlage sollen deutsches Liedgut in Büchern, CDs und PC-Spielen (?!) verbreiten. Was dahindümpelnde Umfragewerte so alles mit Politikerhirnen anstellen können. Der Mann, der einst mit der Losung “Kinder statt Inder” auf Stimmenfang ging und später gegen rumänische Arbeiter oder chinesische Investoren vom Leder zog, versucht es jetzt mit Gesang. Nun denn:

Links Heu und Klee, rechts Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden -
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um -
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!

Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht’s von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er stehn
und fällt vor Hunger um -
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm!

Links freie Presse, rechts Zensur,
links Wahrheit, rechts die Lüge -
Was stehen wir und grübeln nur
und haben’s nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah -
O Buridan, o Buridan,
wär’ doch dein Esel da!

Die Freiheit links, rechts Sklaverei,
wer könnt’ es sich verhehlen!
Wir aber stehn und stehn dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!

Text: Robert Eduard Prutz (1816-1872) – 1842
Musik: Oh Tannenbaum

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