Mutationen

Arthur Wagner ist mutiert. Vom Rußlanddeutschen zum Deutschen. So berichtet Spiegel Online. Mehr noch: Einst CDU-Mitglied mutierte er hernach zur AfD, zum Mitglied im Landesvorstand Brandenburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Havelland. Mehr noch: Arthur Wagner war bei den “Christen in der AfD” und kritisierte in einem Video im Sommer Zweitausendsiebzehn die “Öffnung” der Grenzen während der Flüchtlingskrise: Deutschland „mutiere” in ein anderes Land. Doch der Mutationen kein Ende: Jetzt ist Arthur Wagner zum Islam konvertiert. Und nun? “Religion ist Privatsache. Wir stehen zur Religionsfreiheit des Grundgesetzes“. So der Parteisprecher der AfD, die den schärfsten Anti-Islam-Kurs fährt: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ So die Mutationspartei unablässig. Grotesk.

“Ein Idiot umgeben von Clowns”

Das einprägsamste Bild stammt aus einem Bericht der “New York Times” (…). Da wurde Trump schon in den ersten Wochen seiner Präsidentschaft als alter Mann im Bademantel beschrieben, der nachts orientierungslos durchs Weiße Haus streift. Wolff zitiert die Mail eines Regierungsmitglieds, in der Trump und seine Entourage so beschrieben werden: “Ein Idiot umgeben von Clowns.”

Jakob Augstein, Skandalbuch “Fire and Fury”. Das Weiße Irrenhaus, in: Spiegel Online

Kaltschnäuzig

Wir waren lange zu kaltschnäuzig. Wir wussten, was los ist, aber es hat uns nicht interessiert. Die allermeisten Flüchtlinge bewegen sich zwischen armen Ländern. Pakistan, Libanon, Jordanien, Kenia sind wichtige Aufnahmeländer – mit viel größeren Herausforderungen als hier in Europa. Jetzt rücken uns die Flüchtlinge auf die Pelle und wir reagieren. Das trägt Züge von Zynismus. Aber wir lernen gerade weltweit. Wir lernen, wie unsere Gesellschaften auf noch nie dagewesene Art miteinander verknüpft sind. Und das hat plötzlich mit unserem Alltag direkt zu tun. Das ist ein historisch neuer Prozess: Wir müssen als Gesellschaften Verantwortung für das globale Gemeinwohl und das System Erde übernehmen – nur so können Dauerkonflikte vermieden werden.

Dirk Messner, Entwicklungsexperte, im Interview mit Michael BauchmüllerWir waren lange zu kaltschnäuzig, in: Süddeutsche Zeitung vom neunten Januar Zweitausendachtzehn

 

 

Lecken für den Exit

Da zu bedeutenden historischen Ereignissen, etwa den Filmen um Harry Potter oder Game of Thrones, Sondermarken der Royal Mail in Großbritannien erschienen sind, hat der ebenso hellsichtige wie hellhaarige Außenminister des Königreiches nunmehr auch eine eigene Brexit-Briefmarke angemahnt. Sozusagen Lecken für den Ausstieg. “Wir brauchen Briefmarken für dieses fröhliche, bedeutsame Ereignis.“ Tja.  Mitunter erweist sich politische Verkommenheit sogar in kleinsten gezackten Papierchen.

Zweitausendachtzehn

Ein Freund und ehemaliger Kollege hat heute in Facebook geschrieben, daß ein namentlich nicht genannter Freund von ihm vegan lebe und bei jedem Wetter mit dem Fahrrad fahre. Aber an Silvester schicke er mit kindlicher Freude gerne ein paar Raketen gen Himmel. Arne, mein Freund, fragt nun, ob der klimatische Fußabdruck nun größer als der derjenigen sei, die hier mit großer Geste ihre “Böllerabstinenz” öffentlich machten und alle “Knalltüten” zu rücksichtslosen Idioten erklärten? „So wichtig und richtig ein nachhaltiger Lebensstil ist, so überflüssig ist jedweder volkspädagogische Impetus mit dem dieser herausposaunt wird. ‚Jeck loss jeck elans‘ sagen wir hier in Köln, was so viel bedeutet, dass jeder nach seiner Facon leben kann, so lange es ein gewisses Maß an Rücksichtnahme auf der einen und ein gewisses Maß an gelassener Geschmeidigkeit auf der anderen Seite gibt. Für 2018 wünsche ich mir mehr Toleranz und weniger evangelikale Besserwisserei. Vielleicht ist es ja auch mal ein guter Vorsatz, die eigenen Laster bewusst zu genießen, der Unvernunft ihren Raum zu geben und die Laster des Gegenübers milde wegzulächeln. In diesem Sinne wünsche ich allen hier ein frohes und ein sinnliches neues Jahr!“ Dem schließe ich mich ohne jeden Vorbehalt an. Toleranz, Rücksichtnahme und Geschmeidigkeit, Unvernunft, Laster und Lächeln können das neue Jahr nur besser machen. Ich wünsche allen Freunden und Bekannten ein frohes Jahr Zweitausendundachtzehn. Danke, Arne, für die Vorlage.

“Saququka sathi bheka, nants’ iPata Pata …”

Pata, ein Wort in isiXhosa, eine der elf Landessprachen in Südafrika, bedeutet „berühren. Pata Pata, ist ein in der Mitte der fünfziger Jahre in Südafrika sehr populärer Tanz, eine, wie Wikipedia zu berichten weiß, “sexuell-suggestive Form des Jive-Tanzstiles der jungen Leute, wobei sich die Tanzpartner abwechselnd mit den Händen über den ganzen Körper im Rhythmus der Musik berührten.“ Pata Pata, Gute-Laune-Musik, kombiniert mit dem Löwen, der nachts nicht schläft, ebenfalls Gute-Laune-Musik.

Besorgt

Aber wir können mal langsam aufhören, Nazis beim Einkaufen zu begleiten und ihre Wohnungen zu besuchen, um mal die Meinungen der besorgten Bürger kennen zu lernen und zu hören. Wir haben sie in den letzten zwei Jahren bis zum erbrechen gehört, wir kennen alle ihre Parolen, alle ihre rhetorischen Winkelzüge. Vielleicht ist es auch mal Zeit, mehr den besorgten Menschen zuzuhören, deren Unterkünfte sie anzünden.

Marina WeisbandRassismus sollte nicht mit Öffentlichkeit belohnt werden, in: Deutschlandfunk

 

Honky Tonk Woman

Honky Tonk Woman. Als Mick Jagger und Keith Richards dieses Lied schufen, in Brasilien, da lebte Brian Jones noch, Neunzehnhundertneunundsechzig. Es geht, wie zumeist, um Frauen. In diesem Fall um eine, wie soll man sagen? Um eine Barfrau, ein Kneipenmädchen, eher um eine, die sich an Männer heranschmeißt, eine, die man, wie es in der deutschen Übersetzung heißt, sich nicht “schönsaufen” kann. “I met a gin soaked bar-room queen in Memphis.” Sollte es wirklich Menschen geben, die diesen fast fünfzig Jahre alten Song der Rolling Stones nicht kennen? Hier nun eine Version von Keb’ Mo’ und Mermans Mosengo, die blusig daherkommt, skiffelig, getragen, langsam. Mit Tuba.