Zwischen Kölsch und Mölmsch und Flönz und Poschweck

Kennst du das Land, wo man unter anderem ostbergisch, ripuarisch, moselfränkisch, klever- und münsterländisch, siegerländisch-wittgensteinisch, mittelhessisch sowie kölsch und mölmsch spricht? Wo der höchste Berg 843,2 Meter misst und der niedrigste Punkt 9,2 Meter über Normalhöhennull liegt? Wo sie Sachen essen, die Poschweck, Halver Hahn, Himmel un Ääd, Pillekauken, Struwen oder gar Flönz heißen, welch Letztere in einer ihrer eigenen Sprachen “jet ähnlishet” ist “wie de Blotwoosch”? (…) Das fragliche Land ist das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen und feiert (…) seinen 70. Geburtstag. Alles Jode alsu zum Jebootsdag!, um es op Kölsch zu sagen.

Aus: Glosse. Streiflicht, in: Süddeutsche Zeitung vom dreiundzwanzigsten August Zweitausendundsechzehn

Franz, der blonde Richter und das verwahrloste Taxi

Bei meinem Lieblingsverleger gefunden, auf der Facebookseite von Ekkehard Faude. Wer den Titel Kneipen-Philosophien verlegt, in dem Stehcafé-Aphorismen, Bistro-Haikus und Gespräche am Nebentisch, vorwiegend aus Bayern von Thomas Glatz zu lesen sind, der kann kein schlechter Mensch sein.

hübsche spielerei vom ufer der tastaturen und aus dem land des übersetzens.

„…eine völlig verrückte Phrase, ein wirkliches Produkt der automatischen Schreibweise, die einmal, ein einziges Mal alle Buchstaben der Schreibmaschinen-Tatstur enthält: Portez ce vieux whisky au juge blond qui fume…“
//Anm.: „Bringen Sie diesen alten Whisky dem blonden Richter, der raucht“ – mit dem deutschen Äquivalent „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern“ (A.d.Ü.)//
Roland Barthes; Variations sur l‘écriture. Variationen über die Schrift. Französisch-Deutsch. Übersetzt von Hans-Horst Henschen (Dieterich‘sche Verlagsbuchhandlung 2006)

Ach ja, das Kostpröbchen aus den Kneipen-Philosophien:

A: So is heid scho widdä Middwoch, morgn Donnerschdoch?

B: Morgn is Donnerschdoch.

A: Morgn is Donnerschdoch.
Also.
Adela.

B: Dschüssla.

A: Adee.

Heidenspaß statt Höllenqualen: Unterhaltsame Religionskritik

Einem Bekannten, fest verankert und aktiv in einer evangelischen Kirchengemeinde hier um die Ecke, verdanke ich dieses formidable Fundstück. Phillip Möller, der aufklärende Entertainer und Pädagoge, ist Pressereferent bei der Giordano Bruno Stiftung. Hier geht es zum Video der kompletten Veranstaltung “Ohne Religion wäre die Welt besser dran”.

Zuhören, ein subversiver Akt

“Zuhören ist Hören in Verbindung mit Denken und Konzentration”, sagte einmal Daniel Barenboim im Gespräch mit Evelyn Roll für die Süddeutsche Zeitung, “die meisten Menschen können das gar nicht mehr. Sie machen keinen Unterschied zwischen Hören und Zuhören.” Hören, das wäre einfach nur, die Geräusche oder Töne wahrzunehmen – Zuhören verlangt dagegen ein Sich-Einlassen auf das, was zu hören ist, was gespielt oder gesagt wird, und es verlangt, das Gehörte gedanklich mit nachzuvollziehen. Erst durch das Zuhören tritt das Eigene für einen Augenblick zurück und öffnet sich für ein neues Thema, einen neuen Gedanken, eine neue Welt. Das Zuhören impliziert die Bereitschaft, sich auf die Gedanken, die Interpretation, die Perspektive eines anderen einzulassen. Ohne umgehenden Widerspruch. Ohne die Anmaßung, es prinzipiell besser zu wissen. In Zeiten, in denen eine fragmentierte Öffentlichkeit vor allem das möglichst laute, möglichst enthemmte Propagieren der eigenen Überzeugungen fördert, in denen alle sich selbst ernst nehmen, aber nicht mehr den anderen, ist das Zuhören schon fast ein subversiver Akt. Und eben nicht allein, sondern mit anderen zusammen sich auf etwas zu konzentrieren, auch das ist selten geworden, seit die Bedingungen und Möglichkeiten des gemeinsamen Erlebens einer gemeinsamen Welt ausgehöhlt wurden.

Carolin Emcke, Kolumne: Zuhören, in: Süddeutsche Zeitung vom dreißigsten Juli Zweitausendundsechzehn