Beischlafmetaphern

So kommt es dann, das plötzlich Roland Kaiser, jener Sänger, der wohl die meisten Metaphern für Beischlaf in seinem Gesamtwerk untergebracht hat („Haut an Haut verbrennen, auf das Feuer zuzurennen / Santa Maria, nachts an deinen schneeweißen Stränden, hielt ich ihre Jugend in den Händen / verbotene Träume erleben – ohne Fragen an den Morgen danach“), plötzlich Sartre zitiert und als bekennendes SPD-Mitglied kritisiert, dass in den heutigen Schlagertexten das Politische, der Zeitgeist zu wenig stattfinde.

Oliver Rasche, Über all dem kaschierten Sex schwebt Helene Fischer, in: Welt Online

Verwüstung

(…) Ein Teil der Zerstörung findet auf einer ganz grundsätzlichen menschlichen Ebene statt, das Fundament, wenn man so will, der Demokratie, also das, was die Menschen über den Hobbes’schen Naturzustand erhebt; altmodische Leute nennen es Anstand. Hier ist die Verwüstung besonders schwerwiegend, weil es um elementare Werte geht, die für das Zusammenleben der Menschen notwenig sind, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn — wenn man das alles, so wie es die Trumps wieder und wieder vorführen, durch Gier, Egoismus und Schamlosigkeit ersetzt, hat das Folgen für die Gesellschaft, die über die Parteipolitik hinausreichen. Wie soll man etwa Kindern erklären, dass es nicht okay ist, zu lügen, nur an sich zu denken oder die zu treten, die auf dem Boden liegen, wenn der Präsident es tut? Wie soll man ein Gemeinwesen auf einer Philosophie der Skrupellosigkeit aufbauen, die einen lehrt, noch jeden Trick und Twist anzuwenden, wenn es nur dem eigenen Vorteil dient? Die moralische Verwüstung, die Donald Trump bislang hinterlassen hat, ist immens. (…)

Georg Diez, Wie die amerikanische Demokratie zerfällt.

Weltoffenheit statt Abschottung

 

 

 

 

Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, hat heute in seiner Eigenschaft als Präsident der Bundesversammlung, die den Deutschen Bundespräsidenten, Dr. Frank-Walter Steinmeier, gewählt hat, eine vielbeachtete Rede gehalten:

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

Exzellenzen,

meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie, die Mitglieder und Gäste, alle herzlich zur 16. Bundesversammlung im Reichstagsgebäude in Berlin, dem Sitz des Deutschen Bundestages! Ich freue mich über die Anwesenheit unseres früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und des langjährigen österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer.

Der 12. Februar ist in der Demokratiegeschichte unseres Landes kein auffälliger, aber auch kein beliebiger Tag. Heute vor genau 150 Jahren, am 12. Februar 1867, wurde ein Reichstag gewählt, nach einem in Deutschland nördlich der Mainlinie damals in jeder Hinsicht revolutionären, dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht: Der Urnengang zum konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes stützte sich auf die Vorarbeiten der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Bei deren Wahl 1848 war das Stimmrecht in den Einzelstaaten noch an die berufliche Selbständigkeit des Wählers geknüpft gewesen, Arbeiter und Dienstboten blieben deshalb wie Bedürftige weitgehend ausgeschlossen. Die Entscheidung ausgerechnet Otto von Bismarcks für das allgemeine Wahlrecht – nur für Männer freilich – folgte im Ringen um die nationale Einheit unter preußischer Führung rein taktischen Erwägungen, wie er rückblickend bekannte. Öffentlich tat er allerdings 1867 kund, „kein besseres Wahlgesetz“ zu kennen – und würdigte es „als ein Erbteil der Entwicklung der deutschen Einheitsbestrebungen“. Mit dieser Einschätzung behielt Bismarck ungewollt mehr Recht als mit seiner persönlichen Erwartung, das Volk würde schon selbst einmal einsichtig genug werden, sich vom allgemeinen Wahlrecht wieder frei zu machen. Dies hat sich glücklicherweise nicht bestätigt.

Bis heute wählen wir – inzwischen selbstverständlich auch die Frauen! – nach diesem Prinzip unsere Repräsentanten: in die Stadt- und Gemeinderäte, in die Landtage und in den Bundestag. Und weil unsere Demokratie aus noch immer überzeugenden Gründen repräsentativ verfasst ist, haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes im klug austarierten Zusammenwirken der Verfassungsorgane die Wahl des Bundespräsidenten ganz bewusst der Bundesversammlung anvertraut – einem Gremium, in dem Sie, meine Damen und Herren, beauftragt sind, die Gesellschaft im Ganzen zu repräsentieren. Weiterlesen

Demokratie und Würde

Haben diejenigen, die die Terroristen unterstützen, überhaupt noch nicht begriffen, was eine demokratische Lebensordnung ist, so haben diejenigen, die auf der menschlichen Würde auch des Terroristen bestehen, die Demokratie zu Ende gedacht.

So der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel am sechsundzwanzigsten Oktober Neunzehnhundertsiebenundsiebzig in seiner Trauerrede auf den von einem RAF-Kommando ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Zitiert nach Heribert PrantlBundespräsidenten-Wahl. Anatomie eines Amtes, in: Süddeutsche Zeitung vom elften Februar Zweitausendundsiebzehn.