Norbert

Mein Freund Norbert ist gestorben. Im April schon. Und gestern erst habe ich davon erfahren. Norbert hatte verfügt, daß er keine Trauerfeier wolle, keinen Versand von Sterbeanzeigen, kein Grab, keinen Gedenkstein. Seine Asche sollte verstreut werden. Fünfzig Jahre lang waren wir verbunden. Kennengelernt habe ich ihn als Sechzehnjähriger. Eine Partei und die Arbeit für diese Partei hatten uns zusammengeführt. Ein aufrechter Demokrat, ein Streiter für Gerechtigkeit, ein Kämpfer für eine bessere Gesellschaft, unerschrocken, beharrlich. Das waren viele damals. Norbert aber war auch ein Freund. Ein unbedingter Freund. Und er blieb ein Freund, auch und vor allem, als sich unsere politischen Wege trennten. Freundschaft war ihm immer Loyalität, unumstößliche Loyalität. Wir haben gestritten, politisch, aber wir blieben die ganzen Jahre verbunden, persönlich, als Freunde. Respekt vor dem anderen, Achtung für die andere Meinung, Lust an der Debatte, Neugier, warme und grenzenlose Menschlichkeit. Das war Norbert. Und Standfestigkeit. Er hat seine Partei nicht verlassen. Auch, als sie ihm fremder wurde, unverständlicher, schräger. Mitunter hatten wir uns lange nicht getroffen, Monate lang nicht gesehen. Aber dann wars, als wären wir gestern erst auseinander gegangen. Immer. Mit einem Lachen begrüßt, mit einem Lachen verabschiedet. Norbert, ich vermisse Dich.

“Genug ist genug”

Irgendwann ist es genug. Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, dass Donald Trump dem Amt des Präsidenten der USA nicht gewachsen ist, dann hat ihn der 71-Jährige am Dienstag geliefert. (…) Bei dem Auftritt vor den goldenen Aufzugtüren in seinem heimischen Trump-Tower wurde ganz deutlich: Der Präsident hat seine verharmlosenden Äußerungen zur rechten Gewalt vom Golfplatz in Bedminster genauso gemeint. (…) Nun ist Trump wieder Trump. Ein ignoranter Prolet, der argumentiert, dass unter hakenkreuzschwingenden Neo-Nazis mit Fackeln und antisemitischen Parolen auch nette, friedliebende Menschen weilen. Schlimmer noch: Indirekt legt er nahe, dass die linken Gegendemonstranten eigentlich ein bisschen Mitschuld am Tod der 32-jährigen Heather Heyer tragen, die von einem fanatischen Neo-Nazi mit dem Auto getötet wurde. (…) Eine solche Relativierung von rhetorischer Brandstiftung und fanatischer Gewalt ist unerträglich. Sie zeigt, dass Trump jeglicher moralischer Kompass und die charakterliche Eignung fehlt, ein Land wie die USA zu führen. (…) Der Mann ist besessen von sich selbst und unfähig zur menschlichen Anteilnahme, er hat sich nicht unter Kontrolle, er sprengt die amerikanische Gesellschaft – und möglicherweise nicht nur die: er besitzt den Atomkoffer. Donald Trump müsste dringend seines Amtes enthoben werden. Das wissen auch viele Republikaner. Trotzdem sagen es nur wenige offen. Man kann das Taktik nennen. Oder Opportunismus. Tatsächlich muss man der Grand Old Party mit ihren hehren konservativen Idealen etwas anderes bescheinigen, wenn sie die Dinge weiter treiben lässt: moralische Verkommenheit.

Karl Doemens, Genug ist genug – US-Präsident Trump ist seinem Amt nicht gewachsen, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom sechzehnten August Zweitausendundsiebzehn, 

Trump

Trump macht das nicht mal aus Überzeugung. Er ist kein überzeugter Nazi. (…) Er ist impulsiv, gefühlsgesteuert und vor allem dominiert von seinem übergroßen, fragilen Ego. Er ändert seine geäußerten Überzeugungen so schnell, wie sein Publikum es von ihm verlangt. (…) Er ist durchaus aufrichtiger Rassist, Sexist und Klassizist. (…) Er glaubt an die Überlegenheit des reichen, weißen Mannes, weil er eben einer ist. Sein Rassismus ist kein Produkt einer Gedankenwelt, sondern eher der Abwesenheit einer solchen. Er ist kein Männerrechtler, er brennt nicht für seinen Sexismus, er hat ihn einfach. (…) Er muss kein strammer Nazi sein, um strammen Nazis die Tür zu öffnen.

Marina Weisband, TRUMP MUSS KEIN NAZI SEIN, UND DAS IST DER PUNKT, in: http://marinaweisband.de am sechzehnten August Zweitausendsiebzehn

Verrottet

Das Bild dieser jungen Frau geht gerade um die Welt. Es ist das Bild von Heather Heyer. Sie wurde gestern in Charlottesville ermordet. Von einem zwanzigjährigen amerikanischen Nazi aus der Kleinstadt Maumee in Ohio, der mit seinem Wagen mit hoher Geschwindigkeit in eine Gruppe abziehender Gegendemonstranten fuhr, nachdem die Demonstrationen vom Bürgermeister und der Nationalgarde aufgehoben worden waren. James Alex F., so der Name des Terroristen, kämpft für White Supremacy, für die Vorherrschaft der Weißen. Bei Facebook teilte er Bilder von Hakenkreuzen und Adolf Hitler als Baby. Er war dabei gestern als der Nazi-Mob aus dem ganzen Land in Charlottesville  Sieg Heil brüllte, Heil Trump, die Fäuste fliegen ließ und ihre Führer dem ganzen Land den Krieg erklärten. Wie verrottet, moralisch und politisch, muß eine Gesellschaft eigentlich sein, damit es zu solch einem Gewaltexzess kommt? Wie verrottet ist eigentlich der Präsident des Landes, der angesichts der Eindeutigkeit dessen, was in Charlottesville geschehen ist, von Gewalt auf vielen Seiten bramarbasiert? Wie verrottet ist eigentlich die politische Rechte hierzulande, die zu diesem terroristischen Gewaltakt von Rechtsradikalen nicht eine Silbe verlauten läßt?

Einheimische

Statistisch gesehen wurden der Polizei in Deutschland gestern ca. 383 Fälle von schwerer bzw. gefährlicher Körperverletzung angezeigt, außerdem 22 Vergewaltigungen und sieben Tötungsdelikte. Da ich nichts in den sozialen Netzwerken oder in den Medien darüber gelesen habe, gehe ich davon aus, dass es sich bei den Tätern/Tatverdächtigen um Einheimische handelt.

Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, gestern auf Facebook